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Apr
10

Erfolgreiche Neuauflage des Scillafestes

scillafest 2017 

Bei schönstem Sonnenschein gab es wieder ein gelungenes Scillafest, wo wohl jeder von den über 400 Gästen bei diesem vielseitigen Angebot auf seine Kosten kam (Foto: M. Dittmar)

scillafest armbrust

Herbert Hampel beim Spannen der Armbrust, er gewann den Hauptpreis, Abendessen und Übernachtung im Schloss Geisa für 2 Personen

Für den herrlichen Frühlingstag am 26. März hatten Wanderführer Rudolf Nensel und seine vielen Helfer zum traditionellen Scillafest nach Otzbach eingeladen.

Zwei geführte Wanderungen sowie das anschließende Nachmittagsprogramm, von Rudolf Nensel mit großem Aufwand und Organisationstalent vorbereitet, boten den zahlreichen Besuchern viel Wissenswertes über Natur und Geschichte. Ausgangspunkt der Vormittagstour war die um 1903 errichtete Dorfkirche, wo Nensel kurz auf einige Besonderheiten einging, so zum Beispiel, dass bereits um 1700 in der Nähe ein Gebetshaus gebaut worden war, aus welchem zwei wertvolle sakrale Objekte in das neue Gotteshaus übernommen wurden, ein Bildnis der Mutter Gottes und eine geschnitzte Figurengruppe aus dem 15. Jahrhundert, die „

Jakobsmuscheln als Souvenir

Bevor es nun zur Mariengrotte weiterging, bekam jeder Besucher eine Jakobsmuschel überreicht. Die Grotte „Maria hilf“ entstand 1982 unter Mithilfe des damaligen Pfarrers Konradi sowie mit Unterstützung von Bischof Hugo Aufderbeck. Ein Stück weiter erläuterte der Wanderführer an Hand einer Bildtafel den „Todeszug“, die Personifikation des Todes in verschiedenen Kulturen, nach einer Bilderfolge in der Wolgaster Kirche, die ihn, wie er betonte, bei einem dortigen Besuch stark beeindruckt hatte. Hier ging er dann auch auf die wichtigsten Lebensstationen von Jakobus dem Älteren ein, der vor seiner Hinrichtung als Märtyrer und sogar noch, laut Überlieferung, nach seinem Tod etliche Wunder vollbracht haben soll.

Bildstock der 4 Evangelisten

Nächste Station war ein Bildstock mit der Darstellung der vier Evangelisten auf einem kleinen Hügel, der vormals auch eine Kultstätte der Kelten gewesen sein könnte. Die Erläuterungen Rudolf Nensels bezogen sich im Wesentlichen auf die Evangelisten selbst mit ihren Attributen, so Matthäus als Zöllner, Markus als Löwe, Lukas als Arzt und Johannes als Fischer. Danach wurden die Exkursionsteilnehmer zum sogenannten „Herrenholz“ geführt, einer, so wird auf Grund von Gelände- und Bodenstrukturen sowie Fundstücken von Gebrauchsgegenständen angenommen, ehemaligen keltischen Siedlung. Hier dokumentierte Nensel an entsprechenden Anschauungstafeln, was unsere Vorfahren bereits anbauten und in den Kochtopf steckten.

14 Nothelfer

Letzter Anlaufpunkt am Vormittag war der 2014 restaurierte Bildstock der 14 Nothelfer am Milseburg- und Inselsbergblick. An einigen Beispielen wurde auf die Darstellung und Geschichte verschiedener Nothelfer eingegangen.
Nach der Mittagspause in der großräumigen Sägewerkhalle hatte sich eine kaum überschaubare Zahl an Festgästen zur Teilnahme an der viel versprechenden Arzbergtour eingefunden, denn Wanderführer Nensel wollte seinen Gästen an Ort und Stelle erklären und demonstrieren, wo und wie an diesem Berg Roheisen gewonnen wurde, mit welchen Waffen Feinde abgewehrt wurden und wie das blaue Blümchen Scilla in die Rhön gekommen sein könnte.

Holzkohlenmeier

Auf ging es nun zur ersten Station am Fuße des Berges, zum Hirschborn, wo alle Voraussetzungen gegeben waren, Holzkohlenmeier zu betreiben. Hier erläuterte Wanderführer Nensel anschaulich und kompetent unter Zuhilfenahme von Lehrtafeln den Aufbau und Betrieb eines Meilers. Der Verkohlungsvorgang selbst wird durch Öffnen oder Schließen von kleinen Löchern in die Erdhöhle geregelt. Die gesamte Prozedur vom Aufbau des Stoßes bis zur Löschung der Holzkohle dauert je nach Größe des Meilers zwei bis vier Wochen. Damit auch das aufgeschichtete Holz zu Holzkohle wurde und der Meiler nicht lichterloh abbrannte, wurde ein Kreuz auf den Boden gelegt.

Was ist ein Quandelschacht?

Auch die Gäste mussten ihr Wissen unter Beweis stellen. So galt es hier, den Begriff Quandelschacht (Schornstein zum Anzünden des Meilers) zu erraten, um den das zu verkohlende Holz aufgeschichtet wird. Für die richtige Antwort gab es ein Sturmfeuerzeug in Form einer Patrone. Das nächste Thema des Rundgangs behandelte die vor rund 2000 Jahren übliche Verhüttungstechnik in Rennöfen. Diese Schachtöfen, wusste Nensel zu berichten, mit einer Höhe bis zu 2,20 m wurden schichtweise mit stark zerkleinertem Erz und Holzkohle befüllt, wobei zur Reduktion des Eisens eine Temperatur bis zu 1350 Grad erreicht werden musste. Die Ausbeute belief sich in der Regel auf 50 %.

Doppelspitz

Für den Handel wurden normgerechte Stahlteile, Doppelspitz genannt (dazu die Quizfrage), aus dem Roheisen ausgeschmiedet. Bevor jedoch die Verhüttung beginnen konnte, musste das erzhaltige Gestein zu Tage gefördert werden. Und das geschah am nächsten Zielpunkt in der „Eisernen Kutte“ im Tagebau, aber auch Reste eines Stollens sind noch auszumachen, zeigte Nensel. Hier war ebenfalls wieder ein Preis zu gewinnen, jedoch keine leichte Aufgabe, wie sich zeigte, denn man musste wissen, welche Mineralien in bestimmten Basaltsteinen eingeschlossen sein können.

Katzengold

Und das war in diesem Fall das „Katzengold“, eine magnetische Verbindung, die ein gewisser Magnus entdeckte und somit der Begriff Magnetismus geboren wurde, eine interessante Geschichte, für die der Wanderführer wiederum ein aufmerksames Publikum fand.
Das nächste Ziel befand sich unterhalb des Steilanstiegs zum Plateau. Hier war ein spektakuläres Kampffeld mit vielerlei Waffen aufgebaut, und nachdem Handhabung und Wirkung von Dolch, Schwert, Speer, Streitaxt sowie Pfeil und Bogen erklärt worden waren, wurde ein mutiger Kämpfer gesucht, der sich getraute einige Waffengänge vorzuführen.

Hauptpreis gewonnen:
Essen und Übernachten im Schloss

Endlich war jemand dazu bereit und absolvierte Bogenzielschießen, dann war ein Schwertstreich zum Halbieren einer Rübe auszuführen und eine Armbrust abzufeuern, die zuvor mittels einer Seilwinde gespannt werden musste. Zum krönenden Abschluss musste er dann zum Kampf mit einem Zweihänder gegen Rudolf Nensel antreten. Viel Beifall gab es für den kampfgestählten „Recken“ Herbert Hampel aus Urnshausen und einen ansehnlichen Preis vom Schlosshotel Geisa, um den er sicherlich von manchem Zaudernden beneidet wurde; nämlich eine Übernachtung für 2 Personen mit Abendessen im Schloss sowie eine Stadtführung mit Besichtigung des Carillons in der Stadtpfarrkirche.
Ehe es dann zur letzten Station ging, bekamen die vielen Interessenten die Möglichkeit geboten, bis zum Plateau hoch zu steigen, um dort ein größeres Areal der Scilla bewundern zu können.

Scilla als Medikament

Fast am Waldrand angekommen, erläuterte der Wanderführer Vorkommen, Arten Vermehrung, Toxikologie und auch die mysteriöse Namensfindung für den Begriff Scilla. So zählen zur Pflanzengattung bis zu 90 Arten. In Süd- und Mitteldeutschland kommt vor allem der Zweiblättrige Blaustern vor. Außer durch die Zwiebel vermehrt sich die Pflanze durch Samen, welche einen Duftstoff absondern, der Ameisen anlockt, so dass dann diese ebenfalls zur Verbreitung beitragen. Die giftigen Pflanzenteile, werden zur Behandlung von Halsschmerzen genutzt. Zum Thema gehörte auch die vermeintliche Ansiedlung der Pflanze durch die Römer wegen ihrer Heilstoffe. Nach eventuellen Halsschmerzen befragt, bekam eine Teilnehmerin ein Medikament (heute noch produziert) mit der Aufschrift „Scilla“ überreicht.

Musik, Schmiedekunst und Peitschenknall

Nach Otzbach zurückgekehrt, sorgte bereits der Musikverein Ketten mit schmissiger Blaskapellenmusik in der voll besetzten Halle bei Kaffee und Kuchen oder deftigem vom Grill für viel Stimmung. Und wer sich für die Schmiedekunst interessierte, konnte auf dem Freigelände eine hundertjährige Feldschmiede mit Amboss sowie einen Federhammer in Aktion sehen. Zum Abschluss der Nachmittagsveranstaltung hatte Wanderführer Nensel noch sechs junge Männer organisiert, die gemeinsam mit dem Musikverein ein lautstarkes Peitschenknallen lieferten. Alles in allem wieder ein gelungenes Scillafest, wobei bei herrlichstem Sonnenschein wohl jeder von den über 400 Gästen bei diesem vielseitigen Angebot auf seine Kosten kam.

Manfred Dittmar