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Dez
04

Letzte Sagenstation fertiggestellt

Brunnen Zitters

Viele Ehrenamtliche brachten sich bei der Fertigstellung der letzten Sagenstation „Der Schäfer und der Wolf“ am Brunnen in Zitters ein

Als vierte und letzte Sagenstation des Kohlbachtaler Sagenweges wurde in den vergangenen Wochen der Brunnen „Der Schäfer und der Wolf“ in Zitters fertiggestellt.

Der aus den 50er Jahren stammende und ziemlich in Mitleidenschaft gezogene Dorfbrunnen in Zitters fristete einige Jahre ein Schattendasein. Bei der Idee, einen Sagenweg durch das Kohlbachtal anzulegen, wurde auch eine Neuanlage des Brunnens ins Auge gefasst. „Zu den Zentren des dörflichen Lebens gehörten in der Rhön neben der Kirche, dem Gasthaus und der Dorflinde auch die Dorfbrunnen“, erklärte Heimatvereinsvorsitzender Thomas Schütz die Idee. „Neben der Viehtränke wurden früher am Brunnen Wasser geschöpft und Gebrauchsgegenstände gereinigt“, berichtete Heimatforscher und Vereinsmitglied Bruno Leister. Bei diesen täglichen Arbeiten seien die fließenden Gewässer zu wichtigen Treffpunkten geworden, wo sich die Leute Neuigkeiten austauschten und eben auch Geschichten erzählten.

Der Geschichtenerzähler

„Die Idee war es, diesmal den Brunnen zum „Geschichtenerzähler“ werden zu lassen“ erläuterte Thomas Schütz. Dabei griff man auf eine mündliche Überlieferung aus dem Ort zurück, die sich wahrscheinlich in größten Teilen tatsächlich so zugetragen haben soll. „Sage kommt von „saga“ und bedeutet so viel wie „Gesagtes“, basiert zunächst auf mündlichen Überlieferungen und ist mit der Wirklichkeit übersteigenden Ereignissen ergänzt“, erklärte Bruno Leister. Früher seien an den langen Winterabenden und Spinnstuben diese alten Geschichten von Generation zu Generation weitergegeben worden. „Sie sagen viel über das Empfinden und Denken unserer Vorfahren aus und sind wichtiger Teil unserer Tradition und Bestandteil des Volksgutes“, so der Heimatforscher. Durch die veränderten Lebensgewohnheiten hätten diese Überlieferungen allerdings an Bedeutung verloren.

Der Schäfer und der Wolf

Durch den Sagenweg sollen sie wieder beim Wandern erlebbar gemacht werden. Die Sage „Der Schäfer und der Wolf“ bezieht sich auf eine Überlieferung, bei der ein Zitterser Schäfer einen jungen Wolfwelpen gefunden und aufgezogen habe. Das Tier soll sich als ausgezeichneter Hütegehilfe herausgestellt haben und wurde ein getreuer Freund des Schäfers. Als er ihn jedoch eines Tages über Nacht allein bei den Schafen ließ, fand er am Morgen ein halbes Dutzend toter Schafe vor. Aus Wut erschlug er seinen Hütewolf, musste dann aber feststellen, dass ein anderer Wolf unter den gerissenen Tieren lag, der sich als eigentlicher Verursacher der Tat herausstellte. „Der alte Schäfer erkannte seinen Irrtum und begrub unter Tränen seinen getreuen Freund“, beendete Bruno Leister die Geschichte.

Das Wolfsloch

Heute erinnert der Flurname „Wolfsloch“ an diese mündliche Überlieferung. Der Schäfer ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Vorfahre der Familie Arnrich, die noch heute in Zitters den Hofnamen „Schäfersch“ führt. Der Sagenbrunnen „Der Schäfer und der Wolf“ wurde von Clemens Leister aus Kranlucken unter Mithilfe der Heimatvereinsmitglieder sowie Zitterser Bürger mit Basalt- und Sandsteinen gemauert, Granitsteine finden sich auf dem Pflasterbelag wieder. Ein Cortenstahlrelief, das von Eberhard Leister aus Kranlucken entworfen und unter Mithilfe von Manuel Hofmann aus Motzlar ehrenamtlich computertechnisch umgesetzt und ausgelasert wurde, ziert die Rückwand des Brunnens.

Infostele auch in Blindenschrift

Holz-Sandsteinbänke laden zum Verweilen ein. Ebenso ist an einer Infostele die Sage nachzulesen und in Brailleschrift (Blindenschrift) dargestellt. Nachts wird das Relief angestrahlt, was einen mystischen Eindruck entstehen lässt. „Uns war es wichtig, verschiedene Elemente wie Stein, Stahl, Holz, Wasser und Licht zu kombinieren“ erklärte Thomas Schütz. „Damit spricht die Darstellung verschiedene Sinne an und macht die Geschichte besonders erlebbar. “

Manuela Henkel

alter Brunnen Zitters

Der alte Brunnen in Zitters (Aufnahme August 2010)

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