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Okt
12

Eindrucksvoller Festakt „30 Jahre Deutsche Einheit“

zu gz09 Guttenberg

Erst trugen sie sich mit Mund-Atemschutz-Maske in die „Goldenen Bücher“ von Geisa, Rasdorf und der Point Alpha Stiftung ein, dann stellten sie sich ohne Maske den Fotografen (von links): Rasdorfs Bürgermeister Jürgen Hahn, Dr. Stefan Heck, Geisas Bürgermeisterin Manuela Henkel, Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg, Ministerialdirigentin Elke Harjes-Ecker, Sebastian Leitsch und Brigadegeneral Joseph A. Papenfus. (Foto: Point Alpha)


Festansprache hielt Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg
Freiheitswille, eine friedliche Revolution und das Zusammenwachsen einer Nation - die Wiedervereinigung jährte sich am 3. Oktober 2020 zum 30. Mal. Um die Erinnerung daran wach zu halten, fand am 2. Oktober in der Gedenkstätte Point Alpha der traditionelle Festakt mit Kranzniederlegung zum Tag der Deutschen Einheit statt. Als Hauptredner sprach der ehemalige Verteidigungsminister Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg, der verriet, dass die Gedenkstätte ihm sehr am Herzen liegt. Gründe dafür lieferte er in einem eindrucksvollen Vortrag.

Festrede des Verteidigungsministers a.D.
Der Besuch des ehemaligen US-Camps Point Alpha weckt bei zu Guttenberg Erinnerungen an unbeschwerte Sommerwochen in seiner Kindheit in Eckweisbach. Hier fuhr er mit seinem Vater auch entlang der innerdeutschen Grenze mit ihren Wachtürmen und dem Stacheldraht. Zwischen Rasdorf und Geisa werden bei ihm aber auch berührende Augenblicke der Jahre 1989 und 1990 lebendig. „Wo immer Frieden und Freiheit bejubelt wurden, gab es Glücksmomente“, sagt der 48-Jährige. Die Festigung und der Erhalt dieser Güter sei dann aber oft gewaltigen Anstrengungen unterworfen. Eine Folgeerscheinung dieser historischen Glücksmomente unterstreiche die triviale Erkenntnis, dass es sich bei Frieden, Freiheit und Demokratie niemals um ein Perpetuum Mobile handeln könne. Zu Guttenberg glaubt, die letzten 30 Jahre hätten gezeigt, dass man das Wechselspiel von Wendepunkt und Auftrag begriffen habe. Deutschland sei ein Land mit alten und neuen Schwächen, aber eben auch ein Land mit alten und neuen Stärken.
 
Ein Ort des Herzens
Die Gedenkstätte Point Alpha ist für zu Guttenberg aber auch ein Ort des Herzens. Er mahnte mehr zu tun, als sich lediglich nur zu erinnern oder es uns in Europa bequem zu machen. Deutschland müsse sich in der erneuerten Mitte Europas wiederfinden und es gelte sich gegen Tendenzen der Renationalisierung einzusetzen sowie Reform von internationalen Institutionen wie den Vereinten Nationen, der WTO aber auch der Europäischen Union anzustoßen. Insbesondere das US-Camp Point Alpha erinnere auch daran, das Verhältnis zu den USA zu revitalisieren und Spaltungstendenzen zu unterbinden. Deutschland sei gefordert mehr Verantwortung zu übernehmen, insbesondere mit Blick auf die Krisenherde rund um Europa, aber auch weltweit. Gerade vom geeinten Deutschland würden Impulse und innovative Anstöße zur Lösung solcher Herausforderungen erhofft. Zudem gelte es, sich der Rolle im Konflikt zwischen Amerika und China bewusst zu werden, den manche bereits als „Zweiten Kalten Krieg“ bezeichneten. Ohne klare Haltung, so zu Guttenberg, drohe Europa zerrissen zu werden.

Freiheit und Menschenwürde
Der frühere deutsche Minister und heutige Vorsitzender der Spitzberg Partners LLC, einer globalen Investment- und Beratungsfirma, schlussfolgerte schließlich, dass die Gedenkstätte Point Alpha allen Herzen nah sein müsse, als er die ganze Spannbreite menschlichen Handelns und Empfindens reflektierte – Abgründe, Ängste, Hoffnung, Glücksmomente und vieles mehr. Das Mahnende, das einer Gedenkstätte innewohnen soll, verklinge ins Wahrnehmungslose, wenn es nicht zum Handeln dränge. „Einrichtungen wie Point Alpha, deren Qualität einzigartig ist, spiegeln zwei unverrückbare Stützpfeiler unserer Verfassungskultur: Freiheit und Menschenwürde. Und der 3. Oktober, der Tag der Deutschen Einheit, darf uns daran erinnern, dass vordergründig Unerreichbares überwindbar ist“ so zu Guttenberg.

Dankbar zurückblicken
Der Stiftungsratsvorsitzende und Staatssekretär im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport Dr. Stefan Heck begrüßte zum Festakt in der Fahrzeughalle des US-Camps zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft. „Der 3. Oktober markiert einen historischen Wendepunkt für Deutschland, Europa und die Welt. Einzeln, aber auch im Zusammenhang betrachtet, ergibt sich ein klares Plädoyer: weg vom Gegeneinander, hin zum Miteinander. 71 Jahre nach dem Inkrafttreten des Grundgesetzes, fast 60 Jahre nach dem Mauerbau können wir heute auf 30 Jahre Deutsche Einheit mit Dank zurückblicken“ stellte Dr. Heck fest. In seinen Ausführungen spannte Dr. Heck ein Bogen von den historischen Ereignissen in der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Der 3. Oktober sei nicht nur der glücklichste und wichtigste gesamtdeutsche Feiertag, sondern auch ein Freiheitstag, der nie in Vergessenheit geraten dürfe. Eine Erfolgsgeschichte, in der die Freiheit des Einzelnen als unabdingbares Menschenrecht gelte.

Große Herausforderungen
Wie damals stehe man aber auch heute als Solidaritätsgemeinschaft vor großen Herausforderungen. Der Umgang mit Migration, die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die offene Rückwärtsgewandtheit einiger schürten Gräben, die es im Sinne eines geeinten Europas zu überwinden gelte. Historisches Bewusstsein fördere ein gutes politisches Gespür. Es gelte, intelligent mit der Geschichte umzugehen, aus ihr zu lernen und in einem demokratischen Staat und einem demokratischen Europa keinen Platz für Intoleranz zu dulden. Genau dafür biete die Gedenkstätte Point Alpha die optimalen Voraussetzungen. Als Gedenk-und Mahnstätte sowie als Begegnungs- und Lernort, die sich der historischen, politischen Jugend- und Erwachsenenbildung widmet und mit ihren Angeboten einen wichtigen Beitrag dazu leistet. Auf Basis der historischen Ereignisse sei Point Alpha ein Ort, der insbesondere auf die Gegenwart und in die Zukunft wirke und dabei neue Perspektiven und Blickwinkel eröffnen möchte.

Historisches Erbe
Dr. Heck übermittelte auch eine Botschaft des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und der Hessischen Landesregierung: „Wir sind es den Opfern der SED-Diktatur schuldig, für den Erhalt der Gedenkstätten und Museen an der ehemaligen Grenze Sorge zu tragen. Nur durch Authentizität und Anschaulichkeit können wir gewährleisten, dass das historische Erbe der Nachkriegsjahre auch in Zukunft erhalten bleibt. Die Hessische Landesregierung steht hinter der Point Alpha Stiftung und begleitet ihren Weg mit großer Sympathie, aber auch mit der Erwartung an eine weiterhin erfolgreiche Umsetzung der wichtigen Arbeit für unsere Erinnerungskultur.“

Zeitzeugen berichten
Als weitere Redner überbrachten die Ministerialdirigentin für Kultur in der Thüringer Staatskanzlei, Elke Harjes-Ecker die Grußworte für den Freistaat Thüringen und für die United States Army Europe sprach der Brigadegeneral Joseph A. Papenfus. Als Dolmetscher fungierte Major Eric Kirsch, vom Hauptquartier der US-Army in Wiesbaden. „Es wird immer schwieriger nachzuempfinden, wie es den Menschen damals ergangen ist. Aber glücklicherweise können wir nach 30 Jahren noch mit vielen, die die Zeit selbst erlebt und diese Erfahrungen gemacht haben, ins Gespräch kommen“, stellte Sebastian Leitsch, Geschäftsführer der Point Alpha Stiftung, fest. Die Zeitzeugen in der Gedenkstätte Point Alpha, die bereit seien, den Besucherinnen und Besuchern aus ihrem eigenen Erleben zu berichten, wie sie das westdeutsche Zonenrandgebiet oder das Sperrgebiet der Deutschen Demokratischen Republik erlebt hätten, leisteten mit ihren Erzählungen einen wertvollen Dienst und ließen den Besuch der Gedenkstätte zu einem prägenden Ereignis werden.

Videodokumentation gestartet
Zur Sicherung dieser wichtigen Zeugnisse der deutschen und insbesondere auch der lokalen Geschichte für nachfolgende Generationen habe die Stiftung im Jubiläumsjahr in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung ein langfristig angelegtes Projekt zur Videodokumentation von Zeitzeugeninterviews gestartet. Leitsch zeigte sich davon überzeugt, dass die Frage, wie lange wir noch an die Teilung erinnern „müssen“ und Gedenkstätten wie Point Alpha notwendig seien, ganz einfach beantwortet werden könne: „Hier kann nur „Immer“ die richtige Antwort sein!“ Denn die Pflicht als Demokraten sei es dafür zu sorgen, dass es nicht wieder zu einer 

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