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Mai
09

„In einem alles“ - 420. Geburtstag von Athanasius Kircher

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Das Athanasius-Kircher-Haus in der Schulstraße in Geisa

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Der Athanasius-Kircher-Gedenkstein auf dem Gangolfiberg in Geisa

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Straßenschild der Athanasius-Kircher-Straße in Geisa

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Athanasius Kircher (1602-1680)

Athanasius Kircher gilt als einer der letzten bedeutenden Universalgelehrten und wurde am 2. Mai 1602 in Geisa geboren. Der Jesuit und Forscher galt zeitweise als einer der populärsten Gelehrten der damaligen Welt. Gemäß der amerikanischen Historikerin Paula Findlen war Kircher „der erste Gelehrte mit weltweiter Reputation“.
Athanasius Kircher wurde am 2. Mai 1602 als neuntes Kind des Amtsvogtes zu Haselstein und Stadt-schultheiß von Geisa a. D. Magister Johann Kircher und dessen Ehefrau Anna Kircher, geb. Ganshek, am Markt in Geisa geboren. Nach dem Besuch der „Elementar“-Schule kam er im Alter von etwa zehn Jahren in das Jesuiten-Kolleg in Fulda. 1618 trat er in Paderborn dem Jesuitenorden bei. Sein Weg führte ihn über Köln nach Koblenz und von da an in vielfach wechselnder Lehrtätig-keit und Studien über Heiligenstadt, Aschaffenburg, Mainz, Speyer, Würzburg, Lyon, Avignon und schließlich 1634 auf Weisung von Papst Urban VIII. nach Rom. Im römischen Kolleg waren ihm au-ßerordentliche Möglichkeiten für seine vielfältige wissenschaftliche Tätigkeit gegeben, er lehrte und forschte die meiste Zeit seines Lebens am Collegium Romanum in Rom. Athanasius Kircher veröffentlichte eine große Zahl ausführlicher Monografien über ein weites Spektrum von Themen unter anderem der Ägyptologie, Geologie, Medizin, Mathematik und Musiktheorie. Mehr als 150 Jahre vor Jean-François Champollion versuchte er, ägyptische Hieroglyphen zu entziffern. Von Wis-senschaftlern wird er teilweise als „eine Art wissenschaftliche Feuerwehr des Papstes“ bezeichnet. Mit Sonderaufträgen und Sondervollmachten war er immer zur Stelle, wenn wissenschaftliches Neuland zu betreten, aber auch im Namen der Kirche zu verteidigen war. Und tatsächlich war Kir-cher auch seiner Zeit voraus, was insbesondere an seinem Einfluss auf die Akustik, Astronomie, Mechanik und Farbenlehre abzulesen ist. Er vermutete als einer der ersten den Einfluss von „klei-nen Wesen“ auf die Verbreitung der Pest. Seine Bedeutung erreichte er mit einer Doppelstrategie: Seinen eigenen Forschungen und Experimenten fügte er Informationen hinzu, die er aus der Kor-respondenz mit über 760 anderen Wissenschaftlern, Physikern und vor allem seinen Jesuitenbrü-dern aus aller Welt zusammentrug. Die Encyclopædia Britannica nennt Kircher daher auch eine „Ein-Mann-Clearingstelle für intellektuelle Themen“. Die nach Kirchers Anweisungen illustrierten Werke waren sehr populär. Er war der erste Wissenschaftler, der sich durch den Verkauf seiner Bücher komplett selbst finanzieren konnte. Kirchers Motto lautete „In uno omnia“ - in Einem alles!
Von Reisen unterbrochen betätigte er sich in Rom bis an sein Lebensende als Lehrer, Denker, For-scher, Experimentator, Erfinder, Sammler, Schriftsteller und Illustrator auf praktisch allen damals bekannten Wissensgebieten, wie Mathematik, Physik, Chemie, Geographie, Geologie, Astrono-mie, Biologie, Medizin, Musik, Sprachen, Philologie und Geschichte (vor allem Religions- sowie Kunstgeschichte) und vielem mehr. Seine Werke wurden von Papst, Kaiser und anderen hohen Würdenträgern finanziert. Kirchers Nachlass wird mit 44 gedruckten Bänden und einer umfangrei-chen Sammlung von Briefschaften angegeben.
Beispiele seiner wissenschaftlichen Tätigkeit sind:
• Erste Kartierung von Meeresströmungen
• Kircher beschrieb als Erster die „Laterna magica“ und machte die „Zauberlaterne“ der Öffentlich-keit bekannt. Mit ihrer Entwicklung waren die ersten Schritte zum Kino verbunden.
• Begründung der Sinologie (Chinakunde)
• Versuche zur Entzifferung der Hieroglyphen (Das Zeichen für Wasser war richtig gedeutet.)
• Hinweis, dass winzige Organismen Krankheitserreger sein können, die man mit den gegebenen technischen Geräten noch nicht erkennen konnte.
• Kenntnisse in mehr als zwölf Sprachen; Entwurf einer Universalschrift
• Aufbau der ältesten Sammlung einer wissenschaftlichen Anstalt; dieses „Museo Kircheriano“ bestand eingeschränkt bis 1834. Im gleichen Jahr beschloss die italienische Regierung die Bestände nach und nach anderen Museen zuzuweisen.
Athanasius Kircher starb am 27.11.1680 in Rom. Sein Herz wurde auf eigenen Wunsch in der Mari-enkirche von Monterella bei Tivoli beigesetzt.
In Geisa wird dem großen Gelehrten und Polyhistor mit einem Gedenkstein auf dem Gangolfiberg gedacht. Am Geburtshaus am heutigen Marktplatz 31 erinnert eine Gedenktafel an den großen Sohn der Stadt. Außerdem sind eine Straße und das katholische Pfarrgemeindehaus nach ihm be-nannt. Im Stadtmuseum befindet sich eine größere Ausstellung, in welcher unter anderem Werke von Athanasius Kircher zu sehen sind. Des Weiteren werden in der Stadtpfarrkirche vier Reliquien-schreine aufbewahrt, die eine Reliquiensendung Kirchers (Gebeine von 14 heiligen Märtyrern Roms des 1. bis 4. Jahrhunderts) an seine Vaterstadt enthalten. Die feierliche Überführung erfolgte im Jahre 1665.

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