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Aug
14

Mehr Frömmigkeit leben

Zahlreiche Priester, Meßdiener, Fahnenträger und Streumädchen begleiteten das diesjährige Schneefest

Vor 397 Jahren hatten die Gläubigen von Schleid und Kranlucken im „Schneefestbrief“ versprochen, jährlich den 5. August in feierlicher Weise zu begehen. Auch in diesem Jahr wurde dieses Versprechen eingelöst und zahlreiche Gläubige feierten gemeinsam mit dem emeritierten Bamberger Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick auf dem Vorplatz der barocken Kirche in Schleid ein feierliches Pontifikalamt mit einer anschließenden Prozession durch den festlich geschmückten Ort.

Bereits am Vortag war der wohl bekannteste volkstümliche Verlöbnistag des Bistums Fulda um 13 Uhr eingeläutet. Ab dann beginnt das im Volksmund sogenannte „Hoalfier“ (Hagelfeuer), bei dem alle Arbeit außer Haus ruhen muss. Zum Pontifikalamt wurde Schick neben vielen anderen Geistlichen von Schleids Pastor Dr. Jürgen Kämpf begrüßt. Die beiden hatten zuvor auf einer Pferdekutsche die traditionelle Wallfahrt der Kranluckener vom Ortsteingang bis zur Kirche geleitet. Schick war von 2002 bis 2022 Erzbischof von Bamberg und davor Generalvikar und Weihbischof in Fulda. „Ich kann mich noch genau erinnern, als ich das erste Mal nach der Grenzöffnung in das Geisaer Amt kam“, berichtete er. „Ich hatte Tränen in den Augen vor Freude und Dankbarkeit.“
Besonders freute er sich 1994, dass das Geisaer Land sich entschied, wieder zum Bistum Fulda zu gehen. „Der Glaube hat in Eurer Region ein festes Fundament“, lobte der ehemalige Erzbischof die Gläubigen, der bereits das vierte Mal beim Schneefest zelebrierte. Aber auch dieses Fundament könne in einer Welt der Säkularisation schnell ins Wanken kommen. „Der Rückzug der Religion macht sich überall bemerkbar und das hat Folgen“, betonte Schick in seiner Festpredigt. Individualismus, Egoismus und Gleichgültigkeit machten sich breit und dadurch gehe auch ein Stück Gemeinsinn verloren. „Wir leben so, als ob es Gott nicht gebe“, so Schick. Er forderte mehr Frömmigkeit in der Gesellschaft. „Dabei ist fromm nicht irgendein altbackener Begriff, es bedeutet eine gute Beziehung zu Gott und zu seinen Mitmenschen zu führen“, betonte der Festprediger. Nicht mit großen Würfen, sondern mit der Frömmigkeit im Kleinen könne die Kirche reformiert werden. Maria, als Muttergottes zeige dabei klar den Weg der Frömmigkeit hin zu Gott. Musikalisch wurde der Gottesdienst von den Schleider und Kranluckener Blasmusikanten gestaltet. Mit zahlreichen Fahnenträgern und Blumenmädchen zogen die Gläubigen im Anschluss durch die Straßen von Schleid, um an vier festlich geschmückten Stationen den eucharistischen Segen zu empfangen. Nach einer Festandacht am Nachmittag wurde um 20 Uhr mit dem Glockengeläute der Verlöbnistag ausgeläutet. Das „Schneefest“ geht Übrigens auf ein Verlöbnis aus dem 30jährigen Krieg zurück, als der Pest in Schleid und Kranlucken fast zwei Drittel der Bevölkerung zum Opfer fielen. Daraufhin stellten sich die Gläubigen unter den Schutz Mariens und gelobten zu ihren Ehren den 5. August alljährlich in feierlicher Weise zu begehen. Dieser Tag ist der Weihetag der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom, der im Volksmund „Sancta Maria ad Nives“, was so viel wie „Maria im Schnee“ bedeutet. Gemäß einer Überlieferung ließ Papst Liberius das Gotteshaus nach einem „Schneewunder“ am Morgen des 5. August 358 errichten.

Paula Rosa Henkel

Mit einer Pferdekutschen geleiteten der ehemalige Erzbischof Ludwig Schick und Pastor Dr. Jürgen Kämpf die Wallfahrer von Kranlucken vom Ortsteingang Schleid bis zu Kirche

Der emeritierte Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, segnete die Kinder vor dem Gottesdienst

Zahlreiche Gläubige feierten gemeinsam vor der barocken Kirche in Schleid das Schneefest

Vor 4 Altären wurde in einer Prozession der sakramentale Segen erteilt

Die Prozession führte durch die mit Fahnen und Blumen geschmückten Straßen von Schleid

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