Der Papst und die friedliche Revolution
Zur Rolle der katholischen Kirche beim Umbruch in der DDR und in Osteuropa sprachen als Zeitzeugen der Erzbischof em. Alfons Nossol (Opole) und Bischof Joachim Wanke (Erfurt) beim 2. Geisaer Schlossgespräch am 7. November. Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung, die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und die Point Alpha Stiftung hatten dazu in den Roten Saal des Barockschlosses eingeladen und die Sitzplätze reichten nicht aus, so
groß war das Interesse. So war unter den Gästen auch der Fuldaer Weihbischof Karlheinz Diez.
Zu dieser Fortsetzung der jährlichen Gesprächsreihe waren damit im Jahr des Papstbesuches in Deutschland zwei profilierte Kirchenmänner eingeladen, die an den Umbrüchen des Jahres 1989 ebenso teilgenommen haben, wie sie die Vorgeschichte in ihren jeweiligen Kirchenämtern mitgestaltet hatten. Der ehemalige Oppelner Bischof Alfons Nossol, dem Papst Johannes Paul II. den Ehrentitel Erzbischof ad personam verlieh, gehörte zu den Unterstützern der Freiheitsbewegung in Polen und engagierte sich ein Leben lang für die deutsch-polnische Aussöhnung. Der Erfurter Bischof Joachim Wanke, zu DDR-Zeiten Apostolischer Administrator in Thüringen hat den Weg der katholischen Kirche hier wesentlich mitbestimmt.
Brückenbauer über die Grenzen
Der Vorsitzende des Point Alpha Stiftungsrates, Dr. Wolfgang Hamberger, würdigte die Lebensleistungen der Bischöfe Wanke und Nossol. Sie seien Brückenbauer über die Grenzen hinweg und hätten vielen Mut gemacht. Johannes Pauls Rolle in der Zeit des politischen Umbruchs in Osteuropa schätzte Hamberger als "überragend" ein. Bereits mit seiner ersten Polenreise habe der Papst den "Eisernen Vorhang" ein Stück geöffnet.
Im Gespräch mit dem Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Franz-Josef Schlichting, erörterten die beiden Bischöfe die Rolle von Papst und katholischer Kirche für den Prozess der Friedlichen Revolution und ihre Vorgeschichte.
Alfons Nossol sprach von seinen Erinnerungen aus der Zeit, als der Pole Karol Wojtyla 1978 zum Papst gewählt wurde. Ein Papst aus einem Land hinter dem "Eisernen Vorhang" habe Grund zur Hoffnung gegeben, dass sich irgendwann etwas ändern müsse. Joachim Wanke berichtete von einer gewissen Aufbruchstimmung in der damaligen Zeit.
Der Leiter der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, Bernd Heidenreich, sprach über die friedliche Revolution in Osteuropa als ein mutiges Bekenntnis zu den Menschenrechten. Aus den Kirchen heraus habe sich das Feuer der Revolution entzünden können.
Eintrag in das Goldene Buch: Erzbischof Alfons Nossol (li.) und Bischof Joachim Wanke dahinter v. li.: Dr. Bernd Heidenreich, Volker Bausch, Franz-Josef Schlichting, Stefanie Bode, Gerhard Möller, Martin Henkel











