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Nov
21

Kommentar Bürgermeisterin Manuela Henkel zur geplanten Änderung der Thüringischen Verordnung zum Biosphärenreservat Rhön

Die Diskussion um eine von der UNESCO geforderte Erweiterung der Kern- und Pflegezonen im Biosphärenreservat thüringische Rhön begleitet uns seit Jahren. Die Forderung der Organisation: Diese Flächen müssen im Bereich Biosphärenreservat Thüringen verdoppelt werden, ansonsten verlieren wir den UNESCO-Status.

Dass unsere Heimat die Rhön aufgrund ihrer Kulturlandschaft und Artenvielfalt besonders schützenswert ist, wird mit Sicherheit niemand abstreiten. Aber manchmal ist es auch an der Zeit einen Schritt zurückzutreten und aus der Vogelperspektive die Situation zu betrachten und über Sinnhaftigkeit und Zweckmäßigkeit von Verordnungen und Forderungen nachzudenken.

In der aktuellen Zeit der Krise und des Wandels müssen wir nämlich vor allen Dingen eines: flexibel und pragmatisch auf die uns gestellten Herausforderungen reagieren.

Grundsätzlich und da sind wir uns alle einig, sind Umwelt und Naturschutz, Artenvielfalt, Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien außerordentlich wichtig. Ich selbst bin ein großer Fan von regionalen Produkten, bewirtschafte einen eigenen Gemüsegarten und warm sitze ich zu Hause, weil wir mit Holz aus der Region heizen. Viele Menschen im Geisaer Amt tun dies ebenso – für sie ist Nachhaltigkeit, Regionalität oder das Nutzen erneuerbare Energien eine Selbstverständlichkeit.

Mit Sicherheit kann man hier noch einiges tun. Ein Ziel in der Verordnung des Biosphärenreservates ist es, Wirtschaftsweisen und Landnutzungsformen, die die Naturgüter besonders schonen, beispielhaft zu entwickeln und zu erproben sowie regionale Wirtschaftskreisläufe und Vertriebsstrukturen zu stärken. Das ist grundsätzlich ersteinmal als sehr positiv zu bewerten. Die Entwicklung solcher neuer innovativer nachhaltiger Wirtschaftsweisen oder regionaler Wirtschaftskreisläufe kostet allerdings Geld. Mir ist kein größeres innovatives Pilotprojekt dieser Art bei uns in der Region bekannt, welches uns innovativ-wirtschaftlich voran gebracht hätte. Seit der Gründung des Biosphärenreservates haben wir uns in den letzten Jahrzehnten vor allen Dingen immer mit dessen Erweiterung beschäftigt, was viel Zeit beansprucht hat. Nun gibt es seit zwei Jahren für uns als Kommunen die Möglichkeit, Fördermittel aus dem RegionalBudget des Biosphärenreservates zu beantragen und wir haben dies als Stadt auch für tolle Projekte wie die Erweiterung des Stillen Weges zwischen Otzbach und Bremen oder aktuell für die Sanierung des Geisaer Ämter Kreuzes, die Aufstellung von Schutzhütten und Infotafeln zur Aufwertung der touristischen Infrastruktur genutzt. Der Stadt Geisa ist die Förderung des Tourismus außerordentlich wichtig, allerdings kann man hiervon nicht „leben“. Die Gewerbesteuereinnahmen im touristischen Bereich liegen bei etwa 2.000 EURO, unsere Gewerbetreibenden und Wirtschaftsbetriebe vor Ort erwirtschaften eine Gewerbesteuer von über 2 Millionen EURO jährlich.

Wer eine Region nachhaltig entwickeln will, darf nicht nur verbieten! Wer entwickeln will, muss Geld in die Hand nehmen und investieren!

Schließlich muss an dieser Stelle auch einmal die Frage erlaubt sein: Was bringt uns der Titel „UNESCO“? Die UNESCO setzt mit Sicherheit weltweit viele gute Projekte um. Wir müssen uns nur die Frage stellen, ob wir wegen der Vorgabe einer Organisation mit Sitz in Paris weitere 757 Hektar Staatswald in die Kernzone einbringen müssen und damit das Werk von Förstergenerationen in Frage stellen. Das für die heimische Sägeindustrie fehlende Holz müsste dann nämlich aus anderen Ländern mit geringeren Produktions- und Sozialstandards eingekauft werden. Für mich stellt sich auch die Frage ob das Verbot zum Umbrechen oder Beseitigen von Dauergrünland in der Entwicklungszone in der aktuellen Situation Sinn macht. Das müsste doch heißen, dass die grüne Wiese wichtiger als die landwirtschaftliche Bewirtschaftung und der Anbau von Lebensmitteln ist. Sprich der Landbesitzer kann nach fünf Jahren seinen Acker nicht mehr umackern und kauft dann seine Kartoffeln aus Spanien. Gerade in Zeiten aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen, Lieferengpässen etc. sind Unabhängigkeit und Flexibilität doch gerade auch im landwirtschaftlichen Bereich so wichtig.

Letztlich ergibt sich für mich die Frage: Ist es besser mit einem UNESCO-Titel von der Landeshauptstadt Erfurt aus Natur- und Umweltschutz von oben herab bei uns vor Ort zu betreiben oder kann man dies nicht auf andere Art und Weise sinnvoller, zweckmäßiger und pragmatischer mit den Menschen in der Region gemeinsam tun? Ein Biosphärenreservat könnte man auch nach Landesrecht ausweisen. Dies wäre möglich und würde an die Rhön besser angepasste Vorgaben ermöglichen.

Ich habe mit vielen Bürgern gesprochen. Die meisten sagen: „Von dem Titel „UNESCO Biosphärenreservat“ haben wir nichts.“ Unsere Touristen und Gäste sagen: Wir kommen in die Region wegen der Ruhe und der Natur. Darunter sind mit Sicherheit auch etliche, die wegen dem Status „Biosphärenreservat Rhön – Land der offenen Fernen“ kommen. Dieser wäre allerdings mit der Aufstellung von Windkraftanlagen, die nach neuer Verordnung auch erlaubt werden sollen, hinfällig.

Was wir brauchen sind pragmatische Lösungsansätze mit den Menschen vor Ort. Und an dieser Stelle zeigt sich die aktuelle Einstellung in der Politik: Umwelt- und Naturschutz ist nur mit Verboten und Einschränkungen möglich! Politik muss endlich aufhören, die Bürger zu bevormunden, mit noch mehr Verboten und Kontrollen zu belegen - das schafft Misstrauen, Unmut und Politikverdrossenheit. Wir lieben unsere Heimat – die Rhön! Und diese einzigartige Kulturlandschaft mit ihrem Artenreichtum muss definitiv geschützt und erhalten werden – dies geht nur mit Sinn und Verstand, mit Vertrauen und mit den Menschen vor Ort!

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