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Wiesenfeld

Geisas Ortsteile stellen sich vor: Wiesenfeld
Einwohnerzahl: 156 (01.01.2017)

Wiesenfeld

In einer Urkunde vom 20. April 1150 wird der Name Wiesenfeld (Wisentfeld) zum ersten Mal genannt. Abt Markward des Fuldaer Klosters (1150–1168) bestimmte darin, dass Einkünfte aus dem Klostergut Wiesenfeld zum Unterhalt der Mönche abzuführen seien. Da Wiesenfeld bereits vor Markward verpfändet gewesen war und von diesem wieder eingelöst wurde, muss das Gut bereits vor 1150 bestanden haben. Die Lehensmänner waren die Herren von Wiesenfeld.
Schon im 10. Jahrhundert besaßen die Fuldaer laut Urkunden hier Ländereien von 2745 Hektar. 1334 erschien erstmalig ein gewisser Berthold von Wiesenfeld, der zum niederen Adel des Hochstiftes gehörte. Dieses Geschlecht starb im 17. Jahrhundert aus. Noch im Jahr 1652 besaß kein Hof eigenes Land. Die Lehenspflicht, zumeist in Früchten und Vieh, lastete auch noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Bauern. Nach einer alten Überlieferung soll die letzte Adelsfrau von Wiesenfeld ihr Vermögen dem Geisaer Hospital mit der Bestimmung vermacht haben, dass den Bewohnern von Wiesenfeld darin freie Aufnahme zu gewähren sei.
Nach einer Urkunde des Marburger Staatsarchivs von 1584 war Wiesenfeld durch das Stift von Fulda an das Geschlecht derer „von der Tann“ verliehen. Durch den Wiener Kongress 1815 wurde Geisa mit seinem Umland dem Großherzogtum Sachsen-Weimar zugeordnet. Schon im Jahre 1605 gibt es in Wiesenfeld nach der Türkensteuerliste für das Amt Rockenstuhl (die Türkensteuer, eine Reichssteuer, die von 1593 bis 1609 auch in Wiesenfeld erhoben wurde) 38 Hofreiten, im Jahre 1625 sind es 40. Im ersten genauen Grundstücks- und Eigentümerverzeichnis von 1652 sind 17 Hofreiten aufgezählt. Von 1815 bis 2000 gibt es im Ort zwi­schen 40 und 53 Häuser, die Einwohnerzahl bewegt sich von 1815–1950 zwischen 224 und 306, während im Jahr 2000 nur noch 162 Einwohner gezählt werden.
Deutliche Spuren der Armut hinterließen der 30-jährige und der 7-jährige Krieg sowie vor allem das Pestjahr 1626. 1507 verlobte sich das Dorf in einer großen Bedrängnis der heiligen Ursula, eine nähere Begründung hierzu ist nicht bekannt. Das Datum wird aus einem Schreiben des Geisaer Dechanten Müller vom 30. August 1850 an den Fuldaer Domkapitel ersichtlich.
Kirche Wiesenfeld
Der kirchliche Gedächtnistag an die Heilige wird heute noch gefeiert. Als von alters her in Geisa eingepfarrt, hatte die Gemeinde Wiesenfeld zu sämtlichen dort nötigen Bau- und Unterhaltungskosten an Kirche, Pfarrhaus, Friedhof und Totengräberhaus 1/6 der Kosten zu tragen. Erstmals wird dies in einer Pfarrbeschreibung von 1789 dokumentiert. 1910 sind diese Ausgaben noch in den Haushaltsbüchern der Stadt enthalten, der Zeitpunkt der Abschaffung ist nicht bekannt. 1881 begann Wiesenfeld mit dem Bau einer eigenen Kirche, deren Ingebrauchnahme 1887 von Weimar gestattet wurde. 1841 wird von einem Schulneubau gesprochen, zu dem Beiträge erhoben wurden.
1843 begann der Unterricht. Von 1827 bis 1971 gab es in Wiesenfeld eine Mühle, die aus Grenzsicherungsgründen ab­gerissen wurde. Das erste elektrische Licht brannte in Wiesenfeld am 25. Januar 1922. Ein düsteres Kapitel in der Geschichte Wiesenfelds war die Evakuierung „unliebsamer Personen“ am 5. Juni 1952, die „Aktion Ungeziefer“. Noch in der Nacht fliehen 18 Familien sowie Einzelpersonen über die Zonengrenze in den Westen.
Grenzturm bei Wiesenfeld
Am 1. Oktober 1991 schlossen sich aus Gründen des öffentlichen Wohls die Gemeinde Wiesenfeld und die Stadt Geisa zusammen. Eine Volksabstimmung hierüber ergab eine 90-prozentige Zustimmung der Bürger Wiesenfelds für diesen Schritt.