Tag des Geotops

Prof. Dr. Lothar Viereck beantwortete viele Fragen


Seit 2002 wird alljährlich bundesweit der Tag des Geotops durchgeführt. Auf Veranstaltungen rund um diesen Tag erhalten Besucher Einblicke in die Erdgeschichte. Als Geotope bezeichnet man geologische Sehenswürdigkeiten, die von regionaler und nationaler geowissenschaftlicher Bedeutung, Seltenheit oder Schönheit sind. Sie stellen die erdgeschichtliche Entwicklung einer Landschaft dar und fungieren so als Zeitzeugen. In diesem Jahr wurde der Phonolith vom Landesamt für Umwelt zum Stein des Jahres erwählt. Die einzigen aufgeschlossenen Phonolith-Vorkommen des Wartburgkreises finden sich am Heiligen Hauk bei Spahl und am Rößberg.

Das Tourismusbüro der Stadt Geisa hatte hat die geologischen Wanderung zum Heiligen Hauk in Zusammenarbeit mit Markus Meißner vom geologischen Landesdienst der Landesanstalt für Umwelt und Geologie Jena organisiert. Über das Programm "Rent a Prof" konnte fachkundige Unterstützung gewonnen werden. Prof. Dr. Lothar Viereck vom Institut für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena übernahm es, den Teilnehmern auf der Wanderung die Besonderheiten dieses Gesteins näher zu bringen. Neben vielen interessierten Wandergästen war die Geisaer Außenstelle des Gymnasiums Vacha mit allen Schülern der Klassen 5 bis 8 zum Unterricht am anderen Ort gekommen. Interessiert verfolgten die Mädchen und Jungen die Ausführungen des Professors. Er erläuterte den Schülern, dass der Phonolith vulkanischen Ursprungs sei. Er sei im Laufe der Erdentwicklung einfach steckengeblieben und nicht ganz an die Oberfläche gelangt, so Lothar Viereck. Das Gestein sei relativ selten in der Rhön zu finden, hier herrsche mehr Basalt vor, so der Wissenschaftler. Allerdings sei der Phonolith im Gegensatz zum Basalt ein sehr helles Gestein. Er werde auch als "Klingstein" bezeichnet, da er beim Anschlagen mit dem Hammer einen relativ hellen Ton abgebe. Um den Schülern das besser erklären und zeigen zu können, hatte der Geologe einen kleinen Hammer dabei. Damit schlug er etwas vom Gestein am Heiligen Hauk ab und zeigte es den Teilnehmern. "Das Gestein sieht relativ unspektakulär aus, von der Farbe graugrün mit wenigen weißen Flecken. ", sagte er. Mit bloßem Auge sei nicht viel zu erkennen. Auch mit Hilfe seiner mitgebrachten Lupe gab es nur wenige Mineraleinschlüsse zu sehen. Erst ganz dünn geschnitten und unter einem starken Mikroskop betrachtet, könne man die Vielfalt der im Stein vorhandenen Minerale erkennen, erläuterte er. Besonders faszinierend für die Schüler war, dass sie anschließend selbst die Möglichkeit kleinere Gesteinsproben zu nehmen und sich vom Professor ihre Funde näher erläutern zu lassen.

Bürgermeister Martin Henkel, Markus Meißner vom geologischen Landesdienst und Tourismusbeauftragte Eva Pagel ließen es sich nicht nehmen, zum Heiligen Hauk mitzuwandern. Der Bürgermeister begrüßte alle Wandergäste in Spahl und zeigte sich erfreut, dass der „Spahler Phonolith" es in diesem Jahr auf das Poster zum Tag des Geotops geschafft habe.

Der Phonolith hat noch eine andere Besonderheit aufzuweisen. Auf seiner Rückseite wurde eine Mariengrotte errichtet. Manfred Dittmar vom Rhönklubzweigverein Geisa wusste dazu zu berichten: "Die Grotte wurde 1941 von Spahler Frauen gestiftet, deren Männer im Krieg waren". Ursprünglich sollte die Grotte viel tiefer in den Felsen gebaut werden. Dazu wurde damals ein Loch in den Felsen gesprengt. Nach dieser ersten Sprengung gab es allerdings die Befürchtung, dass die Oberfläche darüber zusammenbricht und daher wurde auf eine zweite Sprengung verzichtet. Die Marienfigur wurde in der Fuldaer Werkstatt Fleck geschnitzt und erst in diesem Jahr restauriert. Da das Naziregime kirchliche Veranstaltungen außerhalb der Gotteshäuser nicht duldete, wurde die Figur in der Spahler Kirche geweiht und im Verlauf einer Prozession an ihren heutigen Standort gebracht. Heutzutage werde im Rahmen der Bittwoche zur Grotte gewallt, so der Hobbyhistoriker.

Zum Abschluss der gelungenen Veranstaltung erwartete Familie Uhlig von der Gaststätte Geisschänke in Geisa, die Teilnehmer am Dorfgemeinschaftshaus Spahl. Bürgermeister Henkel lud alle Teilnehmer zu einer leckeren Bratwurst vom Grill ein.

Es wurden noch viele Fragen an Prof. Dr. Lothar Viereck gestellt. Auf Wunsch der teilnehmenden Lehrer und Schüler hat er zugestimmt noch einmal nach Geisa zu kommen, um im Unterricht weitere interessante Fakten zum Thema Phonolith zu erläutern!

Fotos und Text: Annett Sachs