Die Orgel der Friedhofskapelle St. Gangolf


In der aus dem Spätmittelalter stammenden Saalkirche mit Außenkanzel und Resten von Wandmalereien und Reliefs eines Schnitzaltars gibt es eine Westempore, auf der im 18. Jahrhundert ein Positiv mit zwei Registern. Im Jahre 1786 lieferte der „Orgelmacher aus Borsch" Johann Wolfgang Wiegand ein neues Werk mit drei Registern. Das kleine Örgelchenn wird etwa die Register Gedackt 8´ und 4´ dazu noch ein Principal 2´ gehabt haben, die für die Trauergottesdienste genügten. Von diesem Orgelbauer wissen wir bisher nur sehr wenig.

Am 12. April 1866 wurde festgestellt, daß die Orgel in der Gangolphikapelle seit Menschen Gedenken in einem sehr schlechten Zustande gewesen und nunmehr dem völligen Ruin anheimgefallen ist. Für die Anschaffung eines neuen Orgelwerks standen 200 Taler aus einem Legat des Apothekers Klaßmann von 1854 zur Verfügung, das „zum Zwecke der Ausbildung von Choradjudanten" gestiftet und bereits von der Großherzoglichen Immediat Commission für das katholische Kirchen- und Schulwesen genehmigt worden war. Wohl wegen der Kriegsereignisse dauerte es bis 1870, als Guido Knauf im Juni Disposition und Kostenanschlag für eine kleine Orgel vorlegte:

Manual Tlr.

Principal 4 Fuß v. 14lötigem Zinn 30 –

Gemshorn 8 " tiefe Octave gedeckt (wegen zu geringer Höhe)

Fortsetzung v. 12löt. Zinn 34 –

Gedact 8 " Baß von Fichten- u. Eichenholz, Diskant v. Metall 25 –

Flaute 4 " Baß Resonanz - und Birnholz, Diskant Metall 20 –

Octave 2 " von 10löt. Zinn 18 –

Pedal

Bordun 16 Fuß von gutem Fichtenholz 32 –

[incl. Windkade, Bälge und Gehäuse] [Preis] 402 –

Tabarz und Gotha, Friedrich Knauf & Sohn

Könne auf das Pedal mit Bordun 16´ verzichtet werden, käme die günstigere Variante auf 303 Taler zu stehen. Die Planzeichnung für das Gehäuse fertigte Guido Knauf. Es ist dann in dieser Form gebaut worden und so noch vorhanden, Es besteht aus einem Rechteckgehäuse mit zwei Rundbogenfeldern (je neun Blindpfeifen) im Oberteil, dazwischen der zweitürige Spielschrank und ein griechisches Kreuz als Verzierung; im Unterteil eine eingeschobene Kniefüllung für das Pedal. Die zweimal vier Manubrien mit runden Zugstangen und schräg nach unten führenden Schleifenwippen werden nach innen (zur Mitte hin) gezogen. Das Pfeifenwerk steht chromatisch auf der Windlade. Die Manualtasten ruhen auf Stechern, der Abstraktenfächer verläuft parallel zum Fußboden nach hinten und dann nach oben zum Windkasten.

Am 14. August 1875 hat Guido Knauf noch einen Alternativvorschlag angeboten mit den sieben Registern:

(Blind) Flauto traverso 8´ (Holz),

Bordun 16´ (Holz, Pedal) Salicional 8´ (Metall)

Gedact 8´ (Holz) Flauto dolce 4´ (Holz)

Principal 4´ (Metall) Octave 2´ (Metall)

und einer Leerschleife für Octav 2´, zwei Kastenbälgen, Pariser Kammerton, für 400 Taler oder 1200 Reichsmark. Der Manualumfang ist C-d3. das Pedal geht bis c1.

Nach dieser Disposition wurde die neue Orgel am 8. September 1875 verakkordiert und die Pfeifen für die Octave 2´ (Metall) für 10 Taler oder 30 Reichsmark nachbestellt. (Salicional und Flauto traverso sind in der großen Oktave zusammen geführt). Am 30. Oktober traf die Genehmigung aus Weimar telegrafisch ein und am 13. Dezember 1875 konnte die Orgel von Kantor Jordan und dem Lehrer Fürst geprüft und abgenommen werden. Etwa die Hälfte der Kosten wurde mit Spenden gedeckt.

Kurz zuvor hatte sich noch einmal der Weimarer Hoforganist Alexander Gottschalg eingemischt und die Disposition radikal zu ändern versucht mit: Principal 8´, Gedackt 8´, Salicional 8´,Gemshorn 4´, Flauto dolce 4´, Octav 2´ und Subbaß 16´. Selbst Professor Töpfer hielt diesen Vorschlag für absurd, besonders weil die große Oktave des Principal in Holz gedeckt ausgeführt werden sollte. Mit den Worten „Machen Sie das nicht wieder!" hatte er früher schon einmal Knauf vor dieser Maßnahme gewarnt.

Literatur

Fischer, Hermann, Der Orgelbauer Johann Philipp Seuffert und seine Nachkommen in Würzburg, Kirrweiler und Wien (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg LXXI), Würzburg 2015, S. 144 (Dermbach) und S. 317 (Zella/Rhön).

Fischer, Hermann/Wohnhaas, Theodor, Lexikon süddeutscher Orgelbauer (Taschenbücher der Musikwissenschaft 116), Wilhelmshaven 1994

Fischer, Hermann und Wohnhaas, Theodor, Das Wirken des Würzburger Orgelmachers

Brünner im Hochstift Fulda, in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte Band 46

(1994), S. 83 – 92, (S. 88 f. Orgel in Schleid.)

Flade, Ernst, Lexikon der Orgelbauer des deutschen Kulturkreises, Mskr. in der Musikabteilung der Staatsbibliothek Berlin.

Förderkreis Geisaer Kirche Emil Winter (Hg.), Stadtpfarrkirche Geisa [Kirchenführer], Fulda 2001

Pape, Uwe (Hg.), Lexikon norddeutscher Orgelbauer Band 1: Thüringen und Umgebung, Berlin 2009

Rehm, Gottfried, Die Orgelbauerfamilie Oestreich, in: Acta Organologica Band 7 (1973), S. 37-66 ders.,

Rehm, Gottfried, Beiträge zur Geschichte der Orgelbauerfamilie Oestreich, in: Acta Organologica Band 21 (1990), S. 55-90.

Rehm, Gottfried, Orgeln in der thüringischen Rhön, in: Acta Organologica Band 16 (1982), S. 9-34

Reinboth, Fritz, Die Orgelbauerfamilie Knauf. Ein Beitrag zur Orgelgeschichte Thüringens, Berlin 2006.

Sturm, Erwin, Bau- und Kunstdenkmale der Stadt Geisa, in: Buchenblätter (Beilage der Fuldaer Zeitung) 1995, S. 6ff.


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