Friedhof mit St. Gangolfikapelle


Ursprünglich befand sich der Friedhof auf dem Gelände des heutigen Kirchplatzes, der Geisaer katholischen Stadtpfarrkirche. Doch bevor man mit der Errichtung dieser Stadtpfarrkirche begann und sich dadurch das anliegende Friedhofsgelände in einen Bauplatz verwandelte, legte man vermutlich den Friedhof am Gangolfiberg an. Dieser wird allerdings im Jahre 1518 in einer Urkunde zur „Weihung eines Gottesackers“ erstmals erwähnt. An der äußeren Friedhofsmauer, links vom Eingangstor, ist eine Sandsteinplatte von 1570 mit dem Wappen des Fuldaer Fürstabtes Balthasar von Dernbach (amt. 1570–1576 und 1602–1606) eingelassen. Die Inschrift nennt auch den Baumeister Hans Vogeler. Etwa an der gleichen Stelle der inneren Friedhofsmauer befindet sich das Fragment einer gotischen Steinplatte mit schlecht lesbarer Minuskelschrift und der Jahreszahl 1411. An der vorderen Westseite sind u. a. die Grabsteine Geisaer Geistlichkeit sowie die abgebrochene Marmorsäule von Major Cäsar Rüstow, gefallen 1866 im Gefecht bei Roßdorf/Wiesenthal, aufgestellt. An der Ostmauer befinden sich weitere Gedenksteine. Friedhofskapelle Es kann angenommen werden, dass die architekturgeschichtlich interessante Kapelle ursprünglich auf einer vorchristlichen Kultstätte errichtet wurde, was nach der Christianisierung nicht nur in Deutschland Praktik war. Urkundlich nachweisbar ist das Bestehen der Gangolfikapelle seit dem Jahr 1461. Der schlichte, rechteckige Bau hat einen verschindelten Dachreiter. Die Jahreszahlen 1564 an der Südostecke und 1604 über dem Nordeingang deuten auf spätere Bauarbeiten bzw. auf Umbauten hin. Aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammen die spätgotischen Spitzbogen und Vorhangbogen der Fenster. Die wetterabgewandte Nordseite ist mit 13 Grabsteinen Geisaer Bürgerfamilien, 1589–1599, welche mit Beschlagmustern der Renaissance versehen sind, ausgeschmückt. In der Mitte der Nordseite befindet sich eine balkonartige Außenkanzel aus der Zeit um 1600. Rankenfries und Ecksäulchen zieren die fünf Außenflächen der steinernen Brüstung. Ein verschieferter polygonaler Schalldeckel (Baldachin) ebenfalls aus Sandstein schützt auch die Kanzel vor Witterungseinflüssen. Von innen ist die Außenkanzel nicht mehr begehbar. An der östlichen Giebelseite wurden nach Restaurierung, mit Zuschüssen der Werner Deschauer Stiftung, die Grabplatten von 1703 des letzten Amtmannes vom Rockenstuhl, Petrus Faber und seiner Frau Margaretha im Jahr 2000 wieder angebracht. Eine Stele der 14 Nothelfer aus dem 19. Jahrhundert findet man an der Südseite, einen zweiten Eingang im Westen. Im Jahr 1940 fand eine groß angelegte Innenrenovierung und Umgestaltung der Gangolfikapelle statt. Wandmalereien aus früheren Jahrhunderten legte man frei, darunter Jakobsmuscheln, welche auf den Besuch der Wallfahrer nach Santiago de Compostela hinweisen. Sieben wertvolle Figuren, um 1500/1520 als Reliefs geschnitzt, befinden sich jetzt in der katholischen Stadtpfarrkirche, während Kopien den Kapellenaltar schmücken. Skulpturen des hl. Gangolf, hl. Georg, hl. Ottilia, hl. Katharina, hl. Joseph sowie eine Kreuzigungsgruppe über dem Altar gehören zur weiteren Innenausstattung. Um die Pieta herum wird namentlich an Opfer von zwei Weltkriegen erinnert. Aus der Zeit um 1700 ist die Empore, die Kanzel dagegen aus neuerer Zeit wie der Altaraufbau. Eine Leichenhalle an der westlichen Außenmauer errichtete man 1963 mit eingefügter Grabplatte von 1672. Von der Wallfahrts- zur Friedhofskapelle Über die Muscheln der Jakobuspilger wurde bereits berichtet. 1429 ist nachzuweisen, dass im Geisaer Spital (Hospital) auch Pilger „gespeist, trenckt und geherbergt“ wurden. Gelegentlich einer 1589 im Geisaer Land durchgeführten Würzburger Visitation (unter Bischof Julius Echter von Mespelbrunn) zog man in Prozession zur Gangolfikapelle. Die Wallfahrt der Eichsfelder zum hl. Blut nach Walldürn führte von 1683 bis 1891 jährlich über Geisa zum hiesigen „Gangolfsberge“ mit Gebet und Rast. Nach und nach dominiert die Nutzung als Friedhofskapelle. Text: Mathilde Hahn